Milieu

Florine Leoni

Aysha
Kevin
Michele

11.06.2016 —09.07.2016

Vernissage10.06.2016/19h

[DE]

Es gibt nichts Inneres, das keinen Ausdruck findet. Ausdruck finden heisst, sich manifestieren. Etwas, das sich auf keine Weise und zu keinem Zeitpunkt manifestiert, hat weder für einen Menschen, in dem so etwas allenfalls wäre, noch für sonst jemanden eine Bedeutung. Es wäre ohne jede Wirkung und ohne jede Spur und deshalb nicht wahrnehmbar. Eine latente Energie ist nicht nichts und nur physisch kompakt, also wahrnehmbar, vorstellbar. Kurz: Das Verborgene im Herzen gibt es nicht. Auch einen Widerspruch zwischen Sein und Schein gibt es nicht. Der Schein existiert nur im Kopf des Betrachters. Was jemand scheinen will, obwohl er es nicht ist, vermag mitunter manche zu täuschen; was man als täuschenden Schein bezeichnet, entspringt jedoch ebenfalls der Innenwelt, hat einen Ursprung in der Persönlichkeit, ist also nicht ohne Zusammenhang mit der wahren Persönlichkeit. Körperlichkeit ist Wirkungsform und setzt gewisse Reaktionen darauf im Vornherein fest. Antizipationen über den in Erfahrung gebrachten eigenen Ausdruck ist Voraussetzung für soziales Verhalten und wirkt wahrnehmbar auf das Innere ein. Auch unbemerkt vorhandene Merkmale steuern, im Wiederholungsfall des Ausdrucks im Gegenüber, das eigene Sein und schreiben sich zu jedem Zeitpunkt in das physisch Kompakte ein. Jemanden beobachten heisst, im Falle, dass dieser es bemerkt, das Möglichkeitsfeld an Handlungen und Verhalten des Gegenübers einzuschränken und zu lenken. Dies nicht nur im Augenblick sondern durch den panoptischen Prozess der Selbstbeobachtung auch als andauernden inneren wie äusseren Ausdruck.

Die Realisierung des Werkes wurde ermöglicht durch die grosszügige Unterstützung von: Fachausschuss Audiovision und Multimedia BS/BL, Kulturförderung Burgergemeinde Bern, Scheidegger Thommen Stiftung, Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung, Oertli-Stiftung, Prof. Otto Beisheim-Stiftung

www.florineleoni.net

[EN]

There is nothing internal which does not find some form of expression. Expression means manifesting oneself. Something which in no way and at no point in time manifests itself — that something would have no meaning for the person carrying it within him/herself, nor for anyone else. It would have no effects and would leave no traces and thus would be imperceptible. A latent energy is not nothing, it is simply physically compact, thus perceptible and conceivable. In summary: that which is hidden in one's heart does not really exist. Also: there is also no contradiction between appearance and reality. Appearance only exists in the mind of the beholder. Someone's attempt to appear to be something that s/he is not may fool certain people; this so-called false appearance is however an expression of an inner life, it is rooted in a personality, and is thus not without connection to that real personality. Physicality is a form of expression and from the outset it stipulates certain reactions. The anticipation (learned through experience) of the impression one makes on others is the precondition for social behavior and has a perceptible effect on one's inner life. Moreover there are certain unnoticed characteristics whose expression may be repeated by the Other, thus contributing to the regulation of one's self and becoming inscribed at any point into the physical compactness. In this case, to observe someone means that s/he perceives that the range of possibilities and actions is being restricted and steered. And this is not just for a moment, but rather continuously as both inner and outer expression during the panoptical process of self-observation.

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